Samstag, 3. Mai 2008

Springer und Dutschke endlich vereint

„Entschuldigen Sie, wo geht’s denn hier zur BILD-Zeitung?“ „Einfach die Straße runter, der Eingang ist an der Axel-Springer-Straße Ecke Rudi-Dutschke-Straße.“

Vier Jahrzehnte nach dem Attentat auf den Anführer der Studentenbewegung hat Berlin endlich eine Rudi-Dutschke-Straße. Am Rande Kreuzbergs, zwischen den Redaktionshäusern von taz und BILD wurde am vergangenen Mittwoch das Straßenschild mit seinem Namen enthüllt. Vor der Zentrale des Axel-Springer-Verlags, früher Schauplatz gewalttätiger Zusammenstöße, trugen Demonstranten noch einmal Transparente mit Aufschriften wie „Springer enteignen“, „BILD lügt“ und „Unter den Talaren der Muff von tausend Jahren“ vorbei.

Die Umbenennung eines Teils der Kochstraße in Rudi-Dutschke-Straße war schon 2004 von der taz angeregt worden. Im August 2005 hatte die Bezirksverordnetenversammlung den neuen Namen beschlossen. Nach der Forderung einer Klägergemeinschaft, unter ihnen der Axel-Springer-Verlag, die Umbennung zu stoppen, initiierte die CDU im vergangenen Jahr einen Volksentscheid. Doch die Mehrheit der knapp 200.000 wahlberechtigten Friedrichshain-Kreuzberger stimmte für Dutschke. Vergangene Woche lehnte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg einen Berufungsantrag der Klägergemeinschaft ab.

Zur offiziellen Umbenennung kamen neben Politikern auch Dutschkes Frau Gretchen und die drei gemeinsamen Kinder. Dass "knapp 30 Jahre nach dem Tod meines Vaters eine Straße nach ihm benannt wurde, ist ein Zeichen dafür, dass seine Ideen weiterleben", sagte Dutschkes jüngster Sohn Marek. Rudi Dutschke wurde im April 1968 in Berlin niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt. 1979 starb er an den Spätfolgen des Attentats.